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Überblick über die geschichtliche Entwicklung des Gymnasiums am Ostring
Die Wurzeln unseres Gymnasiums wurden am 4. Oktober 1860 mit der Eröffnung einer höheren Bürgerschule gelegt. Damals gab es 51 Schüler, zwei Klassen, zwei hauptamtliche und zwei nebenamtliche Lehrer. Dabei entsprach der Lehrplan dem eines Realprogymnasiums (vergleichbar mit der heutigen Realschule). Schon damals wurde jedoch fakultativ auch griechischer Unterricht erteilt für diejenigen Schüler, die später ein Gymnasium besuchen sollten. Normalerweise waren zur damaligen Zeit die Schulen in der Trägerschaft der Kirchen. Nachdem die Absolventen der Bürgerschule die ersten Abschlussprüfungen erfolgreich abgeschlossen hatten, wurde am 27. Mai 1871 die Bürgerschule als ein Progymnasium anerkannt. Gleichzeitig begann die Um- und Ausbildung zu einem Vollgymnasium, bei dem neben dem Unterricht im Griechischen auch der Unterricht in den „Realien“ durchgeführt wurde. Am 3. Februar 1872 wurde die Schule als „Königliches Gymnasium“ die erste gymnasiale Schule der Stadt Bochum.
Die im Jahre 1876 selbständig gewordene Stadt Bochum hatte nun auch die Aufgabe, sich um die Schulen zu kümmern. Am 24. Juli 1890 erfolgte die Grundsteinlegung für ein repräsentatives Gebäude. Mit einem Kostenaufwand von 445 000 Mark wurde im Jahre 1890/91 der heutige Altbau am Ostring, damals Bismarckstraße, errichtet und am 11. Januar 1892 mit einer Festveranstaltung seiner Bestimmung übergeben.
Damals war das Gymnasium die einzige Bochumer Schule, die zum Hochschulstudium in den Geisteswissenschaften berechtigte. Da die Stadt Bochum aufgrund des rasanten Bevölkerungsanstiegs weitere höhere Lehranstalten einrichten musste, wurde der Antrag auf Verstaatlichung des Gymnasiums gestellt. Zum 1. April 1910 wurde das Gymnasium verstaatlicht und trug von da an den Namen „Staatliches Gymnasium Bochum“. Nach dem ersten Weltkrieg, begann für die Schüler eine neue Ära des Lernens: Von den Hilfsdiensten während den Krieges entlassen, galt es nun, einen Neubeginn in den preußischen Schulen durchzuführen, in denen nun sowohl die Schüler als auch deren Eltern zur Mitwirkung an der Gestaltung des Schul- und Gemeinschaftslebens aufgefordert wurden.
Die politischen Unruhen, vor allem die Ruhrbesetzung durch die Franzosen, führte dazu, dass das Schulgebäude innerhalb von drei Tagen geräumt werden musste (2.-5. Juni 1923), weil es für die Unterbringung der Besatzungstruppen bestimmt war. Während die Bücherei, Sammlungen und naturwissenschaftliche Geräte auf Dachböden und in Kellern der benachbarten Häuser und teilweise auch in den Wohnungen der Lehrer untergebracht wurden, mussten die 608 Schüler im Gebäude des damaligen Hildegardislyzeums abwechselnd nachmittags- und vormittags unterrichtet werden. Dieser Zustand herrschte bis zum 20. Oktober 1925.
Da man in den Nachkriegsjahren ein Absinken der Schülerzahlen besonders im altsprachlichen Gymnasium befürchtete, wurden die Bemühungen zum Aufbau des Realgymnasiums verstärkt durchgeführt und mit der Verfügung vom 27. Februar 1931 belohnt: Staatliches Gymnasium und Realgymnasium war nun der Titel unserer Schule. Im Schuljahr 1930/31 besuchten 160 Schüler den gymnasialen (altsprachlichen) Zweig, während sich 159 Schüler auf dem realgymnasialen Zweig befanden. Die damalige Unterstufe (Klasse VI bis IV) wies 220 Schüler auf.
Als Anerkennung der pädagogischen und wissenschaftlichen Arbeit der Lehrkräfte wurde an unsere Schule am 1. April 1929 das dritte pädagogische Bezirksseminar der Provinz zur Ausbildung der Lehrer angegliedert, dessen Leitung der Direktor des Gymnasiums und Realgymnasiums übernahm.
Ab 1933 wurden die Eingriffe der Nationalsozialistischen Partei in die Bildungsstruktur des Landes und die Bildungsinhalte der Schulen immer heftiger, trotzdem konnten allzu unliebsame Einmischungen der Hitler-Jugend in das Schulleben vermieden werden. Im Laufe der Zeit war aber durch Abkommandierung von Lehrkräften und von Schülern ein geregelter Unterrichtsbetrieb nicht mehr möglich. Als dann Mitte 1942 die Bombenangriffe auch unsere Schule trafen, Schüler und Lehrer hielten sich während der Angriffe nur unzureichend geschützt in den Gängen des Kellergeschosses auf, und schließlich am 13. Juni 1943 das Schulgebäude durch Spreng- und Brandbomben größtenteils zerstört wurde, lagerte man die Schule, d.h. Lehrer, Schüler und die kümmerlichen Reste des Inventars nach Köslin in Pommern aus. Die älteren Schüler mussten allerdings in Bochum bleiben und als Flakhelfer Dienst tun. Sie erhielten in ihren Flakstellungen so gut es ging vormittags drei Stunden Unterricht durch einige in Bochum gebliebene Lehrkräfte. Am 4. November 1944 wurde durch den bis dahin schwersten Luftangriff die Bochumer Innenstadt vollständig zerstört, auch unser Schulgebäude wurde getroffen.
Nach dem Zusammenbruch konnte unsere Schule, wieder im Wechsel mit der Hildegardis-Schule in einem gemeinsam genutzten Volksschulgebäude in Altenbochum am 14. Januar 1946 den Unterricht schichtweise wieder aufnehmen. Es standen noch 5 Lehrer zur Verfügung, die in 7 Klassen des Gymnasiums (altsprachlicher Teil) 123 Schüler und in 4 Klassen der Oberschule („neusprachlicher“ Teil) 51 Schüler unterrichten sollten. Das wiederum war nur möglich durch Zusammenlegung der Klassen im nicht-sprachlichen Teil und durch Unterrichtskürzungen bzw. Unterrichtsausfall einzelner Fächer. Da die seit 1933 verordneten Schulbücher nicht mehr benutzt werden durften, die Schüler natürlich keine Hefte oder anderen Schulmaterialien besaßen, war Unterricht nur unter kaum vorstellbaren Bedingungen möglich.
Nach mehreren mühseligen Anläufen beseitigte man den Schutt und die Trümmer des alten Gebäudes, und schließlich begann der Wiederaufbau, obwohl die Stadt eigentlich einen Neubau an anderer Stelle vorgesehen hatte, da die Schule durch den geplanten Innenstadtring auf der einen und durch die Bochumer Molkerei auf der anderen Seite in der Lage beeinträchtigt sei. Am 26. April 1949 konnten Lehrer und Schüler das alte Gebäude wieder benutzen. Im Herbst 1950 war der Wiederaufbau der Klassen und Fachräume abgeschlossen. Es fehlte lediglich die Aula, die im November 1953 fertig gestellt wurde. Das Dachgeschoss wurde jedoch für Unterrichtszwecke nicht wieder ausgebaut.
Schon vor dem Kriege war von den Behörden beabsichtigt, unser Realgymnasium auslaufen zu lassen. Diese Bestrebungen wurden nach dem Kriege fortgeführt, so dass es unserer Schule verboten wurde, Schüler für die Oberschule (neusprachlicher Zweig) aufzunehmen. Schließlich war ab Ostern 1955 unsere Schule wieder ein rein altsprachliches Gymnasium, obwohl von schulischer Seite immer Bestrebungen bestanden, den neusprachlichen Zweig vollständig zu erhalten. Dieses Bestreben hatte schließlich mit der Genehmigung vom 2. Februar 1959 erfolg, es durfte der Lehrplan des neusprachlichen Gymnasiums, also auch der Englisch-Unterricht bis zur Reifeprüfung, angewandt werden.
1958 hatte unsere Schule zwei Sexten, insgesamt 436 Schüler in 13 Klassen und konnte endlich auf den Nachmittagsunterricht verzichten, der immer noch notwendig war bis zu dem Zeitpunkt, als die Schülerinnen der Hildegardis-Schule ihren Neubau beziehen konnten. Die lange Benutzung des Gebäudes durch zwei Schulen erforderte eine gründliche Generalüberholung. So wurde die Heizung ersetzt und der Eingang durch ein Mosaik verschönert. Es war als Ehrenmal den im Kriege getöteten Lehrern und Schülern gewidmet und befindet sich immer noch im Altbau des jetzigen Schulgebäudes. Im Jahre 1959 fuhr die gesamte Schule, also Lehrer und Schüler für zwei Wochen nach Hörnum auf die Insel Sylt.
Das 100-jährige Bestehen der Schule feierten 1960 insgesamt 88 Sextaner, die die Aufnahmeprüfung bestanden hatten. Darunter waren neben den 82 Jungen auch 6 Mädchen. Insgesamt hatte die Schule damals 485 Schüler in 17 Klassen, es unterrichteten damals 25 Lehrer, davon waren 3 Damen!
In den darauf folgenden Jahren wuchs die Schülerzahl langsam an und im Schuljahr 70/71 waren 643 Schüler, davon 96 Mädchen, in 23 Klassen zu unterrichten. Mittlerweile hatte man den Versetzungstermin von Ostern auf den Beginn der Sommerferien durch Einbau von zwei Kurzschuljahren (Ostern 1966 bis 31. Juli 1967) verlegt. Die räumliche Situation an unserer Schule war äußerst beengt, zwei Klassen hatte man schon in der benachbarten Weilenbrinkschule unterbringen können. Fast ein Jahrzehnt dauerten die Planungen des Staatshochbauamtes zur Erweiterung des Gymnasiums, schließlich begann man mit dem Abbruch der alten Aula und der alten Turnhalle im Jahre 1969. Schon damals wurde von Schüler- und von Lehrerseite bemängelt, dass es in den Neubau-Planungen für die Aula keinen gleichwertigen Ersatz gab.
Da in der damaligen Zeit der Zuspruch für die alten Sprachen kontinuierlich abnahm, stellte die Schule am 23. März 1971 den Antrag, eine Anfangsklasse mit Englisch einrichten zu dürfen. Dieser Antrag wurde angenommen. Seit dem Schuljahr 1971/72 gibt es also an unserer Schule die Möglichkeit, entweder mit Latein oder mit Englisch als erster Fremdsprache die gymnasiale Schullaufbahn zu beginnen.
Der Anfang der 70er Jahre war einerseits geprägt durch die Beeinträchtigungen durch die benachbarten Baumaßnahmen und die zeitgleiche Renovierung des Altbaus, als auch durch einen immer größer werdenden Lehrermangel. Unterricht fand im Altbau, in Pavillons auf dem Schulhof und in Klassenräumen der Weilenbrinkschule statt, eine zeitlang wurde sogar das benachbarte Bürogebäude der alten Molkerei (Milchhof Bochum) benutzt. Der Sportunterricht war auf sechs verschiedene Stellen des Stadtbereiches verteilt, Schwimmen fand z.B. im Südwestbad in Bochum-Dahlhausen statt. Gleichzeitig mussten sich die Lehrer noch mit der Planung für die Neuanschaffung des Inventars, insbesondere mit der Ausstattung der naturwissenschaftlichen Fachräume befassen. Zum anderen gab es Neuerungen in der Struktur der Oberstufe des Gymnasiums: Zum Schuljahr 1972/73 wurde unsere Schule in die Versuchsreihe zur Erprobung der Differenzierten Oberstufe (also Grund- und Leistungskurse nach Wahl und Neigung der Schüler) aufgenommen. Und schließlich wechselte noch die Trägerschaft des Gymnasiums: Im Rahmen der Kommunalisierung der staatlichen Schulen stand für unser Staatliches Gymnasium nun auch noch eine Namensänderung an. Am 10.12.1973 wählte das Lehrerkollegium den Namen „Gymnasium am Ostring“, der damit ab dem 1.1.1974 verbindlich wurde.
Dass die Schule allerdings zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr vom Ostring zu betreten war, lag an dem Neubau, der durch einen Windfang von der Scharnhorststraße her den Zugang ermöglichte. Am 7. August 1972 wurde der erste Neubauabschnitt mit dem Pädagogischen Zentrum im Eingangsbereich, mit drei neuen großen Klassenräumen, mit neuen Fachräumen für Biologie, Physik und Chemie, sowie jeweils einem neuen Fachraum für Kunst und Musik, mit einem großzügigen Lehrerzimmer einschließlich Bibliothekszimmer, mit neuen Räumen für den Direktor, für die Sekretärin und für die Verwaltung in Betrieb genommen. Gleichzeitig war im renovierten Altbau für die modernen Sprachen ein Sprachlabor mit 40 Plätzen eingerichtet worden.
Der Raumgewinn war jedoch nur kurze Zeit spürbar, schon im Schuljahr 1974/75 waren 887 Schüler, davon 283 Mädchen in 27 Klassen zu unterrichten. Das Ende des zweiten Bauabschnitts brachte für die Schülerinnen und Schüler zum Beginn des Schuljahres 1977/78 endlich die lang ersehnte Fünffachturnhalle, sieben neue Klassenräume, für Musik und Kunst jeweils einen weiteren Fachraum, für die Erdkunde zwei Fachräume und einen Fachraum für Textilgestaltung, der allerdings in dieser Funktion nie benutzt wurde. Auch der Schulhof wurde gepflastert und mit grünen Baum- und Pflanzinseln aufgelockert, gleichzeitig entstanden großzügige Außensportanlagen.
Mag es der Neubau gewesen sein oder der allgemeine Drang in die weiterführenden Schulen, mag es die gegenüber allen Neuerungen aufgeschlossene Schulleitung durch Herrn Dr. H. W. Schmidt oder die aktive Rolle des Kollegiums und der Eltern gewesen sein, die Zahl der Schüler wuchs beständig, der Ansturm auf das Fach Latein war beängstigend: Im Schuljahr 1980/81 hatten wir sechs Anfängerklassen mit Latein und eine weitere mit Englisch, es gehörten 1310 Schülerinnen und Schüler unserer Schule an, sie wurden von ca. 130 Lehrkräften unterrichtet. Um alle Schüler unter zu bringen, musste wieder die alte Weilenbrinkschule mit vier Klassenräumen genutzt werden, gleichzeitig errichtete die Stadt auf einem freien Platz gegenüber dem Elisabeth-Krankenhaus einen Pavillon, der vier Klassenräume und ein kleines Lehrerzimmer enthielt. In diesen Räumen war damals ein Teil der Unterstufenklassen untergebracht. Für die dort unterrichtenden Lehrkräfte entfiel die Pause und wurde durch bei jedem Wetter durchzuführende Eilmärsche an der frischen Luft ersetzt.
Die gesellschaftlichen Veränderungen in den 80er Jahren führten an unserer Schule zu einer umfangreichen Diskussion über die Aufgabe der Schule, über ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag. So wundert es nicht, dass Lehrer einschließlich Schulleitung und Schüler an Straßendemonstrationen z.B. gegen Sparmaßnahmen im Bildungsbereich oder gegen Aufrüstungsbeschlüsse der Regierung teilnahmen. Ein Zeichen besonderer Art setzten die Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs 1982, als sie uns zur Verschönerung der Pausenhalle, aber gleichzeitig auch als Verpflichtung für unsere pädagogische Arbeit, eine 2,98m x 6,83m große Fotoreproduktion von Pablo Picassos Guernica (1937) übergaben. Noch heute ziert dieses Bild eine Wand im Eingangsbereich der Pausenhalle.
Der Fächerkanon an unserer Schule erweiterte sich, ab 1982 wurde für die Oberstufe Spanisch als Fremdsprache angeboten, 1984 begann nach der Erstausstattung mit 5 Computern (!) der Informatik-Unterricht für die Oberstufe.
Das 125-jährige Bestehen unserer Schule wurde in einer Festwoche vom 27. September bis zum 5. Oktober 1985 ausführlich in der Schulgemeinde gefeiert. 1985 war die Schülerzahl auf 1013 gesunken, es gab zwei Anfangsklassen mit Latein und eine mit Englisch. Aufgrund des Lehrermangels und der Platznöte konnten nicht mehr Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden. Die durchschnittliche Klassenfrequenz war mittlerweile von 35,2 im Jahre 1977 auf 26,5 gefallen. Neben 569 Jungen besuchten 444 Mädchen unsere Schule.
Um unseren Schülerinnen und Schülern erste Einblicke in die Arbeitswelt zu ermöglichen, wurde 1985 ein Rahmenkonzept für die Berufsberatung entworfen, das u.a. Berufsinformationstage für die Jahrgangsstufe 9 bis 13 vorsah und für die Jahrgangsstufe 12 ein einwöchiges Praktikum, erstmalig durchgeführt vom 27. bis 31. Januar 1986. Mit dem Schuljahr 1987 wurde die schon seit längerem an anderen Schulen übliche 5-Tage-Woche auch an unserer Schule teilweise eingeführt. Jeder 2. Samstag wurde unterrichtsfrei.
Neben den Schulfesten gab es immer wieder Veranstaltungen, die von der gesamten Schulgemeinde gestaltetet wurden, so war z.B. der Tag der Naturwissenschaften am 5. Dezember 1986 ein Versuch, den Schülern die Attraktivität dieses wissenschaftlichen Zweiges zu zeigen. In einem festlichen Rahmen in der damaligen Ruhrlandhalle feierte am 12. Juni 1986 die Schulgemeinde einen Sommerball.
Am 2. November 1987 begannen Renovierungsarbeiten im Altbau.
Den Schülerinnen und Schülern die noch nicht allzu weit zurückliegende politische Vergangenheit verständlich zu machen, war ein Anliegen der Gedenkveranstaltung zur „Reichskristallnacht“. Am 9. November 1988 fand neben einer Ausstellung eine Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen statt, die über die damaligen Geschehnisse in unserer Heimatstadt berichteten.
Die Diskussionen über die ökologischen Folgen von Ski-Freizeiten mit Klassen unserer Schule führten u.a. im August und September 1990 zur Durchführung der GaO-Umwelttage, eine längere Projektarbeitszeit, in der sich etwa 55 Gruppen, teilweise klassen- und jahrgangsstufenübergreifend mit den vielfältigen Themenbereichen zum Umweltschutz befassten. Ziel war der Übergang vom fundierten Umweltwissen zum umweltgerechten Handeln. Seit dieser Zeit wird in den Klassenräumen des Gymnasiums am Ostring der Müll getrennt entsorgt, werden umweltgerechte Schulhefte, wiederbefüllbare Trinkflaschen und Butterbrotboxen angeboten. Seit dieser Zeit gibt es das Schülercafé und seit dieser Zeit ist auch die Abkürzung „GaO“ für unsere Schule gebräuchlich.
Das 130-jährige Bestehen unserer Schule wurde am 2. November 1990 mit einem Ball in der Ruhrlandhalle gebührend gefeiert. Die Ex-Schüler Jochen Malmsheimer und Frank Goosen gaben in ihrer bewährten „Tresenleser-Art“ einen gelungenen Rückblick der Schulgeschichte.
Das Bestreben der Schule, aufgrund der veränderten Bedingungen in vielen Elternhäusern eine Klasse im Ganztagsschulbetrieb zu führen, wurde am 17. Januar 1991 vom Schulausschuss der Stadt Bochum abgelehnt.
Zum Abschluss der Renovierungsarbeiten am Altbau wurde der frühere Haupteingang zur ehemaligen Bismarkstraße, jetzt Ostring, der seit der Benutzung des Neubauteils mit einer Glasfront verschlossen war, wieder durch ein der alten Vorlage angenähertes Portal geöffnet. Seine Funktion als Haupteingang gewann es jedoch aufgrund des starken Straßenverkehrs am Ostring nicht wieder zurück.
Mit der Zielsetzung, die europäischen Dimensionen in den Schulalltag einzubringen, begannen am 14. November 1991 die ersten Überlegungen zum Thema „Europa-Kurse“ an unserer Schule. In der gleichen Zeit fanden aber auch Gespräche mit politischen Vertretern über die Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst und im schulischen Bereich statt, die im März und im Mai 1992 zur Teilnahme von Schülern, Lehrern und Schulleitung an landesweiten Demonstrationen gegen die Sparmaßnahmen im Bildungswesen in Düsseldorf führten.
Zur Erinnerung an den Stadthistoriker Dr. Franz Darpe, der an unserer Schule vormals dreizehn Jahre (1883 – 1896) tätig war, wurde am 25. September 1992 anlässlich seines 150. Geburtstages neben dem Haupteingang ein durch den Bochumer Kulturrat gestiftetes Bronzerelief angebracht.
Vom 17. bis 20. Mai 1993 veranstaltete unsere Schule den Kongress „Lernen für Europa“, an dem Schüler und Lehrer aus 12 Europäischen Ländern teilnahmen und durch den der neue Schwerpunkt Europa am Gymnasium am Ostring verankert wurde. Mit dem Schuljahr 1994 begannen dann die ersten, vom Kultusministerium in Düsseldorf genehmigten Kurse der Oberstufe, die durch ihre europabezogene Thematik eine zertifizierte Qualifikation der Teilnehmer mit dem Abiturzeugnis ermöglichte. Damit hatte das ehemals „altsprachliche“ Gymnasium eine moderne Zukunft erhalten.
Am 9. September 1994 feierte die Schulöffentlichkeit das 20-jährige Dienstjubiläum des Schulleiters Dr. H. W. Schmidt. Mit der Veranstaltung „Bomben auf Bochum“ zum Gedenken an die Zerstörung Bochums vor 50 Jahren am 14. November 1994 und des Kriegsendes am 8. Mai 1995 stellte sich unsere Schule erneut der Verantwortung, das Geschichtsbewusstsein der jungen Schülergeneration zu wecken. In diesem Rahmen war auch das Gespräch zwischen Oberstufenschülern und einer ehemaligen jüdischen Mitbürgerin aus Bochum über deutsch-jüdische Schicksale zu sehen, das am 8. September 1995 stattfand.
Seit 1996 wurde regelmäßig im Mai mit einem Aktionstag der Europatag gefeiert: Dabei wurde ein zuvor ausgewähltes europäisches Land durch Aktionen der Schüler vorgestellt.
Seit dem Schuljahr 1996/97 wurde durch die Kooperation in der Oberstufe von unseren Schülern als dritte oder vierte Fremdsprache Italienisch gewählt. Das Fach war von da ab entweder regelmäßig in der Kooperation, bzw. auch an unserer Schule durch eigene Lehrer vertreten.
Mit dem Schuljahr 1997/98 führte, nicht zuletzt auf Druck der Stadt Bochum, das Gymnasium am Ostring die vollständige 5-Tage Woche ein. Dadurch bedingt verlagerten sich, nicht nur für die Oberstufe, einige Unterrichtsstunden in den frühen Nachmittag.
Eine Arbeitsgemeinschaft aus Eltern, Schülern und Lehrern führte nach längerer Vorplanung eine Umgestaltung des Schulhofes durch. Es entstand ein Außenforum, in dem bei schönem Wetter draußen unterrichtet werden kann. Am 9. Juni 1999 wurde seit langer Pause wieder eine gemeinsame Schulfahrt unternommen, alle Schüler und das gesamte Kollegium fuhren mit einem Sonderzug zu einem Tagesausflug nach Koblenz.
Der eingeschlagene Weg, durch Gespräche mit Zeitzeugen das Geschichtsbewusstsein unserer Schülerschaft zu stärken, wurde durch zwei Veranstaltungen fortgesetzt: Am 24. Januar 2000 erfolgte eine Autorenlesung über das Überleben in einem Konzentrationslager, am 10. November 2000 las ein türkischer Autor Stücke gegen den rechten Terror.
Der 26. Juni 2000 war für unsere Schule ein denkwürdiger Tag, wurde doch nach 26 Jahren in seiner Tätigkeit als Schulleiter Herr Dr. Hans Werner Schmidt in den Ruhestand versetzt. Ihm gelang es in seiner Dienstzeit, das altehrwürdige „altsprachliche Gymnasium“ in ein modernes „Europa-Gymnasium“ zu verwandeln.
Seine Nachfolge als Schulleiter übernahm Werner Schulz.
Da die Einrichtung in den Chemieräumen unserer Schule den gestiegenen Sicherheitsbestimmungen nicht mehr genügten, sah sich die Stadtverwaltung zu einer Neuausrüstung gezwungen. Am 22. April 2002 wurden die renovierten und mit den neuesten technischen Ausrüstungen ausgestatteten Chemieräume vom Schulausschussvorsitzenden der Stadt Bochum der Schule zur Nutzung übergeben. Am 7. Mai 2002 wurde im Rahmen des Kooperationsnetzes Schule Wirtschaft zwischen unserer Schule und den Stadtwerken Bochum als Partner eine Kooperationsvereinbarung getroffen. Durch diesen Kontakt sollen die Jugendlichen in verschiedenen Fächern praxisnah die Berufs- und Arbeitswelt kennen lernen.
Da sich in unserer Gesellschaft in den letzten Jahren ein Trend „weg von der Anfangssprache Latein“ immer stärker bemerkbar machte, musste unsere Schule handeln. Da gleichzeitig in der Grundschule mit dem Englisch-Unterricht begonnen wurde, ergab sich die Notwendigkeit, diese Englischkenntnisse auch bei denjenigen weiter auszubauen, die in der 5. Klasse mit Latein anfangen wollten. Deshalb wurde vom Schuljahr 2004 an für die Schüler der 7. Klasse, die mit Englisch angefangen hatten, die Möglichkeit geschaffen, als zweite Fremdsprache zwischen Latein und Französisch wählen zu können. Und wer in der 5. Klasse mit Latein beginnen wollte, erhielt zusätzlich Unterricht in Englisch.
Die hier gegebene Zusammenfassung der geschichtlichen Entwicklung des Gymnasiums kann nur unvollständig sein, zu vielfältig sind die Veränderungen, die im Laufe der Zeit auf gesellschaftlichen und bildungspolitischen Ebenen stattfanden. In dieser Darstellung absichtlich ausgeklammert wurden alle Ereignisse, die mit dem großartigen musikalischen Engagement der Schüler und Lehrer zu tun haben und sich in unzähligen Konzertveranstaltungen niederschlugen, als auch der gesamte Bereich der Theaterarbeit. Die Theater-AG des Gymnasiums am Ostring ist ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens unserer Schule. Diesem gerecht zu werden ist in dieser knappen Form nicht möglich, es sei auf den Link Theater-AG dieser Homepage verwiesen.
S. Schimankowitz, August 2004
Grundlagen für die hier gegebene Zusammenstellung waren:
1) Das Festbuch zur fünfzigjährigen Jubelfeier des
Königlichen Gymnasiums zu Bochum (Oktober 1910)
2) Die Festschrift 100 Jahre Staatliches Gymnasium Bochum
(1960)
3) Die jährlich erscheinenden Ausgaben der Schulchronik
(ab 1980 jährlich)
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